Als „Bibliothek des Jahres in kleinen Kommunen und Regionen“ wird die Stadtbibliothek Siegburg in Nordrhein-Westfalen 2025 geehrt. Hier hob die Jury die besondere Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt Siegburg hervor. In der Jury Begründung heißt es: "Diese enge Zusammenarbeit mit der JVA schlägt eine Brücke zwischen Gefängnis und Stadt und ist Vorbild für Bibliotheken und JVAs in ganz Deutschland."
Seit drei Jahren läuft ein besonderes Kooperationsprojekt zwischen der JVA Siegburg und der Stadtbibliothek: Inhaftierte präsentieren im Podcast „Bücherecke aus dem Knast“ ihre Lieblingsbücher. Im sonic chair als Sitzmöbel und High-End Soundsystem in einem, ist es selbst in einer Bibliothek erlaubt ungestört die Beitrage der "Bücherecke aus dem Knast" zu hören ohne seine Umgebung zu belästigen, wie auf einer akustische Insel. Die Buchempfehlungen der Inhaftierten sind an einem extra hergerichteten alten Gitter präsentiert und können bei interesse in der Bibliothek ausgelieher werden. Für Samstag den 25.10.2025 18:00 Uhr konnten sich Interessierte anmelden zur Vorstellung des Projekts inklusive Führung durch die Ausstellung und einer anschließenden Gesprächsrunde in der Bibliothek. Zum Tag der Bibliotheken konnten Leserinnen und -Leser des Generalanzeigers sich bewerben für eine Führung durch die Bibliothek der JVA Siegburg und sich ansehen, wo die Podcasts entsteht.
Zum "Tag der Bibliothek 2025" hat die Justizvollzugsanstalt Siegburg zum ersten mal ihre Tore geöffnet und hat seltene Einblicke in den literarischen Alltag hinter Gefängnismauern gewährt. Bei einer Führung konnten Besucher die Büchereiräume in den Hafthäusern 1 und 2 entdecken.
Zum "Tag der Bibliotheken" und anlässlich der Preisverleihung zur Bibliothek des Jahres 2025 ludt die Stadtbibliothek Siegburg vom 24.10. 26.10.2025 zu einem Minifestival ein. So konnten nach Anmeldung Interessierte an der Filmpremiere zu dem Fiilm "Seid ihr bereit für uns" ab 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek teilnehmen. Das Projekt, initiiert von Insassen der JVA, bringt Inhaftierte und Menschen "von draußen"miteinander ins Gespräch.
Worum geht es? Nach jahrelangem Gefängnisleben ist die Unsicherheit angesichts eines Lebens in Freiheit bei aller Sehnsucht danach groß. Wie wird die Welt draußen mit der Vergangenheit umgehen? Bleibt man immer der Straftäter? Bekomme ich eine Chance? Und eben: seid ihr bereit für uns? Über diese Fragen wollten Insassen der JVA reden, nicht mit Freunden oder Verwandten, sondern mit Unbekannten, mit
Menschen, die das Fremde der fremd gewordenen Außenwelt repräsentierten. Die Filmemacherin Paula Wehmeyer und der Kulturbeauftragte der Anstalt, Jörg Gieseking, der bereits mehrere Projekte mit der Stadtbibliothek verwirklicht hatte, griffen das Thema auf.
Gefilmt wurden wechselseitiger Videobotschaften, in dem die Gesprächspartner zwar nie unmittelbar miteinander sprachen, dafür aber viel Zeit
hatten, auf die Gedanken des Gegenüber einzugehen. Die gefilmten einzelne Videobotschaften und werden gegen einander gestellt. Dazu bildete Paula Wehmeyer Gesprächspaare, jeweils ein Inhaftierter bekam einen Gesprächspartner bzw. eine Gesprächspartnerin von außen. Der Film zeigt die ganz unterschiedlich verlaufenen Videodialoge von drei Gesprächspaaren. Zum Beispiel Kevin und Jehan. Die 24jährige Jehan, Schauspielerin und angehende Islamwissenschaftlerin, und Kevin, 36, der im Gefängnis eine Ausbildung zum Maler gemacht hat. Er wolle offensiv mit seiner Geschichte umgehen und habe sich gefreut, zu erleben, dass Menschen offen seien, seine Stimme zu hören, sagt Kevin.
Das Gespräch mit Jehan hat ihm Zuversicht gegeben, draußen nicht nur auf Ablehnung zu stoßen. Jehan umgekehrt wollte wissen, wie sich das Leben in einem deutschen Gefängnis abspielt. Im Studium hat sie sich ausführlich mit syrischer Gefängnisliteratur befasst. Der Vergleich beider Haftkulturen interessierte sie. Beeindruckt war sie davon, wie reflektiert Kevin mit seiner Lebenssituation umgehe. Jeweils fünf Mal haben beide in die Kamera gesprochen wie auch die beiden anderen Gesprächspaare. Mitte August waren die Dreharbeiten, an denen in der JVA ein Team
von 8 bis 10 Inhaftierten mitgearbeitet hat, abgeschlossen.
Das Projekt wurde finanziell unterstützt von der VR Bank Stiftung und dem Lions Club Siegburg. Unterstützung bei der Abwicklung des Projekts kam vom SKM – Katholischer Verein für soziale Dienste im Rhein-Sieg-Kreis e.V. und selbstverständlich von der Stadtbibliothek Siegburg.




