Justizvollzugsanstalt Siegburg:  Auftritt der Coverband "Six Jeck"

 

"Six Jeck" bringt Stimmung in den Knastalltag

Funk, Rock, Pop und Soul - Musik zum Tanzen
Six Jeck in der Gefängniskirche der JVA Siegburg "Six Jeck" die Coverband spielt Kulthits und Chartsongs
vor Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Siegburg.
Quelle: Bodo Werner


Am 3. Mai 2013 um 17.30 Uhr war es schließlich soweit, in der Gefängniskirche von Haus 1 heizte die Coverband "Six Jeck" den Gefangenen mit ihrer Musik kräftig ein.

"Six Jeck" das sind die Sängerin Sophie Mende, Higgi Damen am Saxphon, Kay Müller am Bass, Werner Quicker am Keyboard, Waldemar Parra an der Gitarre und Nasko Tafic am Schlagzeug. Zum erstenmal trat die Band mit ihrer wie sie sich selbstbeschreibt stimmungsgeladenen, dynamischen, frischen, spielfreudigen und wilden internationaler Musik in der Justizvollzugsanstalt Siegburg auf.


Interview mit der Leadsängerin von "Six Jeck" Sopie Mende

 

Vor und nach dem Konzert stellten wir Sophie Mende einige persönliche Fragen und Fragen zur Musik von "Six Jeck".

Hallo, ich bin Sophie Mende, die Sängerin von "Six Jeck" und versuche hier nun mal auf ihre Fragen zu antworten.

Haben Sie den Justizvollzug in Ihrem persönlichen Leben schon einmal in irgendeiner Form wahrgenommen?
Ich selbst hatte nie wirklich Kontakt zu einem Justizvollzug. Einmal hatte ich vor einem kleinen Gericht als Zeugin ausgesagt. Damals (wir waren ca 14 Jahre alt) wurden wir von Jugendlichen auf der Straße überfallen und ausgeraubt. Das ist aber wirklich sehr lange her. Unsere Saxophonistin Higgi Damen hatte schon einmal in einem Gefängnis mit einer anderen Band gespielt.

Wie stellen sie sich den Lebensalltag in einer Justizvollzugseinrichtung vor?
Vor allem stelle ich es mir sehr langweilig vor. Ich glaube man sitzt sehr lange oft in seiner Zelle, vielleicht allein, oder mit einem anderen Insassen mit dem man sich vielleicht leider gar nicht versteht. Man hat wenig oder gar keinen Kontakt zu seiner Familie oder Freunden. Und man vermisst bestimmt sehr stark eine Liebesbeziehung. Man ist manchmal bestimmt froh etwas Abwechslung durch berufliche Weiterbildung oder Konzerte zu haben. Man hat ja vielleicht Angst, nach dem Gefängnisaufenthalt sozial noch mehr abzurutschen.

Könnten Sie sich vorstellen ein paar Monate einzeln in einem Haftraum untergebracht in einer Justizvollzugsanstalt zu verbringen?
Prinzipiell genieße ich es sehr, wenn ich totale Ruhe habe, und ohne Beisein von anderen Menschen nachdenken, oder meditieren kann. Und ich fände es ersteinmal sehr spannend so etwas mal sehr lange ausprobieren. Jedoch glaube ich, dass man in einem Gefängnis nicht diese "wirkliche" Ruhe oder das "Fasten" von Sex oder menschlichen Beziehungen trainieren kann und wirklich bewußt begangene Fehler bereuen lernen kann. Ich denke, dieses völlige Aufgeben der eigenen Freiheit und das Bestimmen meines Tagesablaufs von einer Obrigkeit würde mich psychisch sehr fertig machen.

Welche Songs werden Sie den Gefangenen präsentieren?
Wir spielen eine Mischung aus alten Kulthits und neuen Chartsongs. So ist für jede Altersgruppe was dabei. Von Diana Ross, Aretha Franklin, Ray Charles und Blues Brothers bis hin zu Adele, Amy Winehouse oder Pink spielen wir was tanzbar ist. Und natürlich darf der bekannte Song "Jailhouse-Rock" von Elvis Presley nicht fehlen :-) Wahrscheinlich wird die Stimmung etwas lauter und das Publikum ist etwas "härter" im verbalen Umgang. Vielleicht unterhalten sich die Gäste auch eher untereinander, weil sie sich nicht so oft in "freierer" Umgebung sprechen können.Wir hoffen, dass wir gemeinsam mit den Insassen mit unserer Musik eine tolle Party haben werden und alle viel tanzen und dabei ihren harten Gefängisalltag etwas vergessen können. Ich persönlich bin jedenfalls schon sehr gespannt.


 

Sophie Mende nach dem Konzert:

Wie war Ihr erster Eindruck nach dem betreten der Justizvollzugsanstalt?
Ich hatte mir die Stimmung etwas kühler vorgestellt, aber die Begrüßung durch den Pfarrer und den verantwortlichen Beamten war sehr herzlich. Auch hatten uns ja 3 Inhaftierte beim Tragen des Equipements geholfen, die sehr nett waren. Als wir dann eine kleine Führung in den Flur zu den Gefängnissen bekamen, dann wurde mein Eindruck aber bestätigt, dass es dort sehr steril und kühl wirkt.

Die JVA Siegburg hat ja keine Bühne im herkömmlichen Sinn. Sie stehen als Künstler ohne großes Rampenlicht unmittelbar vor dem Publikum. Das Publikum waren in diesem Fall ungefähr 80 Gefangene. Wie war das im Vergleich zu anderen Auftritten?
Was eigenartig war, dass die Gefangenen zuerst gesessen haben. Bei allen unseren anderen Konzerten steht das Publikum von vornherein was es einfacher macht, dass sie anfangen zu tanzen. Dass das Publikum so nah an uns dran ist gibt es doch schon öfter. Aber dann ist der Partyraum meist auch dunkler (und vielleicht verrauchter oder alkoholgeschwängerter) und dann fällt es allen Beteiligten etwas leichter ganz aus sich heraus zu gehen. Auch war es zu Beginn eigenartig, dass es ausschließlich Männer waren, aber das war ziemlich schnell überhaupt gar kein Problem für Higgi (unsere Saxophonistin) und mich. Schwierig war vor allem der sehr hallige Sound in der Kirche.

Was kam musikalisch aus Ihrer Sicht nicht an oder was besonders gut?
Ich denke die leichten Popstücke am Anfang waren einigen vorerst zu ruhig. Unser Rock- und Funkrepertoire mit "Jailhouserock" und "I feel good" haben dann aber vielen gefallen. Und auch zu den Soulliedern wie "Lady Marmalade" konnten einige besser tanzen.

Gab es einen Punkt wo Sie sagen würden der Funke ist übergesprungen im Sinne von „Wow … das war es!“?
Also als sich dann einige eingegrooved hatten, und Higgi bei Ihrem Saxophonsolo auf die Bänke stieg, dann ist die Stimmung doch ziemlich lockerer geworden. Und dann haben wir das Publikum zum mitschreien animiert "Heyy, Hoo.."  :-)  Das hat ziemlich Spaß gemacht.

Sie hatten die Erwartung das die Stimmung lauter und „Härter“ sein könnte – War dem so? Die Gefangenen waren allesamt aber eher ziemlich ruhig. Sie wirkten fast "vorsichtig, beobachtend". Ich denke, das lag bestimmt auch daran, dass es aufpassendes Wachpersonal gibt. Aber manchmal spielt es natürlich auch eine Rolle, wenn das Publikum wie im Gafängnis kein Alkohol trinkt. Dann ist die Stimmung wirklich sehr viel ruhiger. Jedoch war der Musikgeschmack ja doch eher "härter, rockiger" angelegt.

Es gab ja nach dem Konzert einen großen Andrang nach Autogrammkarten. Glauben Sie, das Sie neue Fans für Ihre Band und Ihre Musik gewinnen konnten?
Es war schon sehr schön, dass sich die Inhaftierten so freundlich für unse Flyer und Autogramme interessiert hatten. Viele haben die Karten auch für Ihre Kinder schreiben lassen. Vielleicht kommt ja wirklich der ein- oder andere irgendwann zu einem Konzert von uns.

Sie durften nach Ihrem Konzert die Justizvollzugsanstalt Siegburg wieder verlassen – kommen Sie bzw. Six Jeck freiwillig wieder?
Uns hat es gut gefallen und wir würden uns freuen mal wieder eingeladen zu werden.

Vielen Dank für das Interview.



 

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